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Athen im Dezember: Wo Weihnachten anders atmet

Aktualisiert: vor 7 Tagen

 

Weihnachten ist eine Zeit, die für viele mit Wärme, Nähe und Tradition verbunden ist. Für andere ist sie laut, schwer und manchmal auch schmerzhaft. Nach einem Jahr voller Veränderungen, Verluste und neuer Perspektiven fühlte sich ein Weihnachtsfest nicht richtig an. Also entschieden wir uns, das zu tun, was das Leben manchmal etwas leichter macht: rausgehen, loslassen, reisen.


Athen war dabei nicht nur ein Reiseziel, sondern ein Gefühl. Ein Kontrast aus Schneechaos und Sonnenstrahlen, aus innerem Zweifel und Durchhalten, aus Reizüberflutung und stillen Momenten mit Blick auf Geschichte und Meer.


Schneechaos to go

Unsere Reise begann nicht mit Vorfreude und Leichtigkeit, sondern mit purem Schneechaos. Die Autofahrt von Wolfsberg zum Wiener Flughafen wurde schnell zur Geduldsprobe. Über die Pack herrschten Schneeverhältnisse, mehr als 60 km/h waren kaum drin, und jeder Meter verlangte volle Konzentration. Dabei ist Schnee bei uns inzwischen fast schon eine Seltenheit. Und ausgerechnet heute, zu Weihnachten, schneite es. Normalerweise wäre das genau diese kitschig-schöne Vorstellung von weißen Weihnachten, die man sich wünscht. Für diese Autofahrt allerdings hätten wir gut darauf verzichten können.


Noch bevor wir Graz erreichten, wollte meine Begleitung am liebsten umdrehen – zu riskant, keine gute Idee, lieber abbrechen. Ich hingegen hatte das Gefühl, dass wir viel zu früh aufgeben würden. Also fuhren wir weiter, mit dem Wissen, dass der Wechsel noch vor uns lag.


Fluch und Segen zugleich war ein Schneepflug dann am Wechsel: Er fuhr mehr oder weniger direkt vor uns her und schuf fahrbare Bedingungen – auch wenn wir nur im Schneckentempo vorankamen. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer.


Am Ende zahlte sich die Entscheidung aus: Wir erreichten den Flughafen pünktlich, unser Flug hatte sogar Verspätung und wir plötzlich keinen Stress mehr. Genug Zeit also für ein Weihnachtsessen beim Burger King - eine wahre Delikatesse am 24. Dezember. Weil kaum etwas anderes offen hatte, herrschte dort die Hölle, aber ehrlich gesagt: Es war richtig gut und irgendwie genau das Richtige nach dieser Fahrt.


Willkommen in der griechischen Hauptstadt

Unser Flug mit der griechischen Airline begann überraschend angenehm: Nicht nur, dass wir tatsächlich etwas zu essen bekamen – und das noch gut – es gab auch Papierbecher an Bord. Ein kleines Detail, das mich sofort positiv stimmte.


Nach knapp zwei Stunden in der Luft landeten wir in Athen und wurden von milden 15 Grad begrüßt – ein warmer, fast schon tropischer Kontrast zu den Schneemassen daheim. Bevor es ins Hotel ging, nutzten wir noch die Gelegenheit, ein paar Getränke günstig am Flughafen einzupacken und stiegen dann ins Taxi Richtung Stadt.


Der Flughafen liegt ziemlich weit außerhalb, knapp eine dreiviertel Stunde Fahrt bis ins Zentrum, bis zu unserem Hotel – genug Zeit, um die ersten Eindrücke von Athen zu sammeln.


Unser Taxifahrer gab uns zum Abschluss noch einen nützlichen Hinweis: Wir sollten uns lieber rechts vom Hotel aufhalten, die linke Seite meiden, dort sei es unsicher, Banden und viele Obdachlose würden die Gegend prägen. Meine Begleitung verstand zunächst nichts, ich übersetzte das Englische ins Deutsche. Tatsächlich hatte sie das in Hotelbewertungen schon gelesen und wollte deshalb umbuchen – was nicht mehr ging, da ich die Buchung nicht kostenlos stornierbar gewählt hatte. Athen hat aber generell ein Problem mit Obdachlosigkeit, nicht nur in diesem Viertel, sichtbar an vielen Straßenecken, Parks und Plätzen. Ich dachte mir: Alles okay, wir meiden das Viertel sowieso – kein einziger Grund zur Sorge.


Unser Hotelzimmer war neu, sauber und komfortabel. Die Aussicht aus unserem Fenster war… nun ja, eher begrenzt: Wir blickten direkt auf das nächste Gebäude. Aber wir sind ja auch in einer Großstadt und schließlich sind wir nur im Zimmer um zu schlafen. Und wer will schon den ganzen Tag aus dem Fenster starren, wenn Athen draußen auf uns wartet? Straßen, Plätze, Cafés, Menschen – selbst die Gegensätze zwischen Luxusläden und den Stellen, wo die Stadt hart ist, erzählten uns mehr über Athen als jede Skyline es könnte.


Ein Tag in Athen – von Frühstück bis Reizüberflutung

Am nächsten Morgen starteten wir unseren Tag mit einem Frühstück im Hotel. Es war alles da, was man sich wünschen konnte, und der griechische Käse war besonders lecker. Die Stühle bei den Tischen waren allerdings in der Form etwas unpassend, sodass ständig Menschen um uns herum stolperten – solange man selbst verschont blieb, war es jedoch ziemlich amüsant, dem kleinen Durcheinander zuzusehen. ;)


Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserer Sightseeing-Tour. Unser erster Halt war der Omonia-Platz, ein zentraler Verkehrsknotenpunkt Athens, bekannt für seine belebte Atmosphäre, seine zahlreichen Geschäfte und Cafés – ein echtes Herz der Stadt, das immer pulsiert, jedoch definitiv seine beste Zeit bereits hinter sich hat.



Weiter ging es über den Zentralmarkt zu unserem nächsten Halt die Monastiraki-Kirche, eine kleine, aber charmante Kirche mitten im belebten Viertel Monastiraki. Von außen bewunderten wir auch die Hadriansbibliothek, einst ein Zentrum für Wissen und Bildung in der Antike, dessen Überreste noch heute die Geschichte Athens lebendig werden lassen. Danach ging es weiter zum Gate of Athena, einem antiken Tor, das einst Teil des Athener Stadtplans war, und zum Turm der Winde, einem achteckigen Marmorturm aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., der als antike Wetterstation diente – klein, aber voller Geschichte.



Ein kleiner Abstecher führte uns zum Süßigkeitenladen Hänsel & Gretel, ein Paradies für Naschkatzen: bunte Süßigkeiten, kreative Leckereien und liebevoll dekoriertes Ambiente.



Danach spazierten wir durch den Park zum Philopapposhügel, einem der schönsten Aussichtspunkte Athens. Von hier aus hatten wir einen atemberaubenden Blick auf die Stadt, das tiefblaue Meer, die umliegenden Berge und natürlich die Akropolis, die majestätisch über der Stadt thront.



Danach ging es weiter zum Hadrianstor, einem Triumphbogen zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian, und zum Olympeion, dem antiken Zeus-Tempel, den wir nur von außen bestaunten. Ein kurzer Abstecher zum Panathenaic-Stadion, erbaut komplett aus Marmor und Schauplatz der ersten modernen Olympischen Spiele 1896, durfte ebenfalls nicht fehlen – beeindruckend, auch wenn man nur außen stehen kann.


Über den Nationalgarten, ein ruhiger grüner Fleck inmitten der lebhaften Stadt, machten wir eine kleine Pause bei einem Café, um Kräfte zu sammeln.


Zufällig landeten wir dann gerade rechtzeitig bei der Wachübernahme am Denkmal des unbekannten Soldaten. Die Soldaten marschierten perfekt synchron, drehten sich, posierten und wechselten die Wachen mit einer Präzision, die fast schon theatralisch wirkte – wir standen wie Zuschauer einer skurrilen Mischung aus Militärzeremonie und Comedy da. Gleichzeitig bekamen wir so auch einen Blick auf das griechische Parlament, majestätisch und ernst, während wir uns durch die Menge drängten.


Weiter ging es über die Ermou-Straße zur Panagia Kapnikarea-Kirche, eine der ältesten byzantinischen Kirchen Athens, die trotz ihrer geringen Größe mit wunderbaren Details und einer ruhigen Atmosphäre beeindruckt.



Schließlich kamen wir beim Little Kook an – und dort war plötzlich alles zu viel: Kein Millimeter ohne Deko, blinkende Lichter, Musik, Menschen, Weihnachtsstimmung auf Überdosis-Level. Ich war völlig überfordert, fasziniert, aber froh, irgendwann wieder nach draußen zu kommen. Cool zum Anschauen, aber definitiv kein Ort zum Entspannen.


 


Den Abschluss bildete ein gemütliches griechisches Essen draußen, mitten am 25. Dezember, unter der milden Wintersonne, umgeben von der pulsierenden Stadt. Hier konnte man die Energie Athens richtig spüren: Menschen draußen, Cafés voll, Straßen lebendig – ein Weihnachtsgefühl, das anders war, als wir es kannten, aber genau deshalb so besonders.


Ein Ausflug nach Piräus

Am kommenden Tag starteten wir nach dem Frühstück in Athen mit der Metro in Richtung Piräus, den großen Hafen der Stadt. Schon beim Aussteigen war die maritime Atmosphäre spürbar: riesige Kreuzfahrtschiffe lagen im Hafen, Container und Fischerboote schaukelten sanft auf dem Wasser und die frische Meeresluft mischte sich mit dem geschäftigen Treiben der Stadt.



An der Küste angekommen, setzten wir uns ans Meer und staunten nicht schlecht: Am 26. Dezember gingen einige Leute tatsächlich baden! Das Wasser war erstaunlich mild, dazu die Außentemperatur von rund 18 Grad – für uns Winterverwöhnte fast schon ein kleiner Sommertag. Wir genossen die Sonne, die Aussicht auf die Boote und die entspannte Stimmung am Wasser, bevor wir uns wieder in die Stadt aufmachten.


Am Rückweg in die Innenstadt – wieder mit der Metro – landeten bei der Athena-Statue, wo sich uns überraschend ein großer, gepflegter Weihnachtsmarkt offenbarte. Lichterketten, geschmückte Buden, warme Getränke und eine fröhliche Atmosphäre – so hatten wir es fast gar nicht erwartet, aber es war ziemlich überschaubar.



Am Abend kehrten wir in ein leckeres Restaurant ein und gönnten uns Gyros, riesige Portionen voller Geschmack. So viel, dass wir am nächsten Tag noch etwas davon hatten. :)

 

Natürlich ließ uns das Little Kook auch an diesem Tag nicht los: Diesmal wagten wir uns hinein, um das volle Erlebnis zu sehen. Innen war es noch extremer als außen: blinkende Lichter, üppige Weihnachtsdeko und jede Menge Besucher, die in die überfüllten Räume umherliefen. Wir teilten uns einen Schokokuchen, doch nach kurzer Zeit war ich froh, wieder draußen zu sein – der Laden war für mich persönlich einfach zu viel des Guten, ein süßes, blinkendes Chaos, das eher zum Anschauen als zum Verweilen taugt.

 


Zwischen antiken Säulen

Am nächsten Morgen machten wir uns noch einmal auf den Weg – dieses Mal mit Eintrittskarten zur Akropolis, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen Athens. Die antike Festung thront majestätisch über der Stadt, voll von Tempeln, Säulen und Geschichte, die bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht. Man spürt fast die Echos der alten Philosophen und der antiken Demokratie. Und doch muss ich zugeben: Sie ist für mich imposanter und beeindruckender von weit weg, als wenn man direkt mittendrin steht. Von unten betrachtet wirkt sie wie ein riesiger Schatz, auf den man hinaufschaut– von innen fühlt es sich ein bisschen wie ein überfülltes Museum mit zu vielen Menschen an. Aber ich hab mich belehren lassen: Wenn man schon in Athen ist, gehört der obligatorische Gang dorthin einfach dazu – auch wenn ich mir heimlich dachte: „Eigentlich sah sie von der Ferne viel cooler aus.“



Nach der Akropolis streiften wir noch ein wenig durch das Plaka-Viertel, das älteste und charmanteste Stadtviertel Athens. Enge Gassen, bunte Häuser, kleine Läden, Tavernen und jede Menge Menschen – ein Ort, an dem man sich verlieren, entdecken und einfach durch die Straßen treiben lassen kann. Selbst hier zeigte sich die Lebendigkeit Athens: Trotz Weihnachten drängten sich die Menschen durch die Gassen, Cafés und Restaurants waren voll, und es herrschte eine Energie, die man in Österreich zu Weihnachten nicht mehr findet.

 


Weihnachten unter der griechischen Sonne

Überhaupt war es faszinierend zu sehen, wie anders Weihnachten hier ist. Klassische „Weihnachten“ gibt es kaum, und das typische Heim- und Familienritual, wie wir es kennen, spielt hier nicht die Hauptrolle. Stattdessen sind die Menschen draußen, genießen das Leben, essen in Restaurants, gehen shoppen – die Stadt pulsiert an den Feiertagen. Hier und da gab es ein bisschen Weihnachtsbeleuchtung, ein paar Dekorationen, aber alles sehr dezent und charmant.



Für mich war dieser Trip anders, weil es mich daran erinnerte, worauf es für mich wirklich ankommt: Nicht das Fest nach Tradition, sondern die Dinge zu tun, die man liebt. Draußen sein, reisen, Neues entdecken und Momente erleben, die einem auch in dunklen Stunden zeigen, dass es immer Gründe gibt, sich für das Leben zu entscheiden. Auch wenn die Tage anstrengend und vollgepackt waren, war es eines der schönsten Weihnachten, das ich nach meinen Verlusten erlebt habe – weil es anders war. Weihnachten bedeutet eben manchmal nicht, Tradition zu feiern, sondern offen & flexibel zu sein, zu leben.


Fazit

Wenn ich Athen beschreiben würde, würde ich meinen: Antike trifft auf Graffiti, Tempel auf Verkehrslärm, touristische Hotspots auf Viertel, die man lieber meidet. Und genau diese Gegensätze machen Athen aus.


Die Stadt trägt ihre Geschichte nicht nur stolz auf Hügeln wie der Akropolis, sondern auch schwer auf ihren Schultern. Wirtschaftliche Krisen, Obdachlosigkeit und soziale Spannungen sind sichtbar und nicht zu übersehen. Athen versucht nichts zu verstecken – es zeigt sich, wie es ist. Manchmal unbequem, manchmal traurig, aber immer real.


Gleichzeitig ist Athen voller Leben. Die Menschen sind draußen, reden, lachen, essen gemeinsam – selbst an Feiertagen. Cafés, Restaurants und Straßen sind gefüllt mit Stimmen, Bewegung und Wärme. Weihnachten ist hier kein stilles Zurückziehen, sondern ein kollektives Draußensein. Das fühlt sich ungewohnt an, aber auch befreiend.


Athen hat mich nicht umarmt, habe ganz ehrlich schon viel schönere Städte gesehen – aber es hat mir Raum gegeben. Raum, Weihnachten neu zu denken. Raum, Erinnerungen zuzulassen. Raum, weiterzugehen. Und vielleicht ist genau das auch eine schöne Art, die eine Stadt hinterlassen kann.

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