50 Lari ärmer, aber um viele Erinnerungen reicher – unser Abenteuer in Georgien
Vier Tage Georgien, ein Land, das uns definitiv nicht langweilig werden ließ. Was als entspannter Städtetrip mit ein bisschen Kultur, gutem Essen und beeindruckenden Landschaften geplant war, entwickelte sich zu einem Abenteuer zwischen schiefen Uhrtürmen, wackeligen Brücken, riesigen Baustellen und einer Begegnung mit der georgischen Polizei, die wir so schnell wohl nicht vergessen werden.
Wir haben uns durch die Straßen von Tiflis gekämpft, Khinkali und Khachapuri probiert, atemberaubende Orte entdeckt und uns zwischendurch gefragt, ob wir eigentlich noch auf einer Sightseeing-Tour oder schon mitten in einer Bob-der-Baumeister-Show gelandet waren. ;)
Anreise
Unsere Reise startete in Graz, von wo aus es über München weiter nach Georgien ging. Am Flughafen München verbrachten wir gefühlt eine halbe Ewigkeit, aber immerhin wurden wir mit einem zauberhaften Sonnenuntergang belohnt, der die lange Wartezeit gleich ein bisschen erträglicher machte.

Irgendwann ging es dann doch endlich weiter – hinein in unseren Nachtflug. Ich scherzte noch, dass ich noch nie so geflogen war: Man steigt abends ins Flugzeug, fliegt vier Stunden und plötzlich ist es bei der Ankunft schon wieder früh am Morgen. Die Nacht hatte also offiziell begonnen, bevor sie gefühlt überhaupt eine Chance gehabt hatte!
In Tiflis angekommen, ging es mit dem Taxi direkt zum Hotel. Unser Taxifahrer war ein ganz ruhiger, schüchterner, lieber junger Mann, der offenbar gerne mit uns plaudern wollte. Es gab nur ein kleines Problem: Er sprach dermaßen leise, dass wir kaum ein Wort verstanden. Also griffen wir auf unsere bewährte internationale Kommunikationsstrategie zurück: „Aha“, „Mhm“ und „Okay“. Ob wir damit ein tiefgründiges Gespräch geführt oder gerade die wichtigsten Geheimnisse Georgiens verpasst hatten, werden wir wohl nie erfahren...
Früh morgens erreichten wir schließlich unser Hotel und beschlossen, uns noch einmal für drei Stunden hinzulegen, bevor wir voller Tatendrang Tiflis erkunden wollten. Zumindest war das der Plan, denn nach dieser kurzen Nacht war unser Körper gedanklich vermutlich noch irgendwo zwischen Graz, München und dem georgischen Himmel unterwegs.
Tag 1: Zwischen Schlafmangel, schiefen Türmen und georgischem Verkehrschaos
Als der Wecker läutete, befand ich mich noch mitten in einer Tiefschlafphase und hatte im ersten Moment absolut keine Ahnung, wo ich eigentlich war. Mein Gehirn musste offenbar erst einmal einen Flug und mehrere Zeitzonen verarbeiten, bevor es wieder einsatzbereit war.
Also beschlossen wir kurzerhand, die geplanten drei Stunden Schlaf um weitere 30 Minuten zu verlängern. Schließlich wollten wir Tiflis erkunden und nicht schon beim Frühstück am Tisch einschlafen.
Das Hotelfrühstück war international, hatte aber definitiv eine georgische Note: Von teilweise etwas gewöhnungsbedürftigem Käse über Topfen, Gemüse bis hin zu Reis war alles dabei. Ob wir schon genau wussten, was wir da auf unseren Tellern hatten? Nicht unbedingt! Aber satt wurden wir allemal.
Gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Highlight: dem schiefen Uhrturm von Tiflis. Dieses außergewöhnliche Bauwerk sieht aus, als hätte jemand beim Bauen ein bisschen zu tief ins Glas geschaut und genau das macht seinen Charme aus. Der berühmte Turm ist mit seinen schiefen Balken, der verwinkelten Architektur und der märchenhaften Optik ein echter Hingucker. Jeden Tag um Punkt 12 Uhr gibt es dort ein kleines Schauspiel: Ein Engel erscheint und schlägt mit einem Hammer auf die Glocke, während sich im oberen Teil des Turms eine Miniatur-Puppenszene entfaltet, die den Kreislauf des Lebens darstellt.

Danach marschierten wir weiter durch die Stadt, vorbei an verschiedenen Statuen und über die Baratashvili-Brücke. Wobei wir uns auf dieser Brücke kurz fragten, ob sie uns eigentlich noch heil auf die andere Seite bringen würde. Die Bretter unter unseren Füßen wirkten teilweise ziemlich locker...sagen wir so: Unser Vertrauen in die georgische Brückenbaukunst wurde kurz auf die Probe gestellt.
Aber Spoiler: wir schafften es hinüber und setzten unseren Weg zur Sameba-Kathedrale fort.

Und die ist wirklich beeindruckend! Die Dreifaltigkeitskathedrale gehört zu den größten orthodoxen Kirchen der Welt und ist mit ihrer gewaltigen goldenen Kuppel schon von vielen Stellen in Tiflis aus zu sehen. Sie thront majestätisch über der Stadt und wirkt mit ihrer Größe und Architektur beinahe so, als würde sie ganz Tiflis im Blick behalten.
Leider spielte das Wetter nicht ganz so mit, wie wir uns das vorgestellt hatten. Immer wieder begann es leicht zu tröpfeln. Und das, obwohl wir uns auf Sommer, Sonne und ungefähr 25 Grad eingestellt hatten!
Regenjacke? Fehlanzeige.
Regenschirm? Natürlich auch nicht.
Immerhin hatte der Wetterbericht keinen Regen angekündigt und wir vertrauen dem Wetterbericht bekanntlich blind. Also suchten wir uns erst einmal ein trockenes Unterstehplätzchen und beobachteten das Treiben auf den Straßen von Tiflis. Dabei fiel uns etwas ganz besonders auf: Hier scheint kein Auto ohne irgendeine Beule, Schramme oder sonstige Kampfspur unterwegs zu sein.
Man könnte meinen, jedes Fahrzeug hätte bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich und wäre stolz darauf, sie auch zu zeigen.

Und dann entdeckten wir noch eine weitere Besonderheit: In Georgien herrscht zwar Rechtsverkehr, aber die Lenkräder befinden sich offenbar nicht immer auf derselben Seite. Mal saß der Fahrer links, mal rechts. Wir schauten uns an und fragten uns, ob es dafür eine geheime georgische Verkehrsregel gibt, die wir einfach noch nicht verstanden hatten. Vielleicht bekommt man beim Autokauf hier einfach ein Überraschungspaket: Rechtslenker oder Linkslenker – Hauptsache, vier Räder und ein bisschen Blech drumherum!

Flohmarkt-Schätze, Kaffee-Kunst und eine Baustelle wie bei Bob dem Baumeister
Nachdem sich das Wetter wieder ein wenig beruhigt hatte und der Regen eine kleine Pause einlegte, setzten wir unseren Spaziergang fort und machten uns auf den Weg zum Dry Bridge Market. Ein riesiger Flohmarkt mitten in Tiflis, auf dem es gefühlt alles gibt, was man sich vorstellen kann – und noch einiges, von dem man nicht einmal wusste, dass es existiert! Von alten Schmuckstücken über Gemälde, Bücher, Münzen und sowjetische Erinnerungsstücke bis hin zu allerlei Kuriositäten findet man hier die unterschiedlichsten Schätze. Man könnte vermutlich stundenlang durch die Stände schlendern und würde trotzdem immer wieder etwas Neues entdecken. Besonders angenehm fanden wir, dass die Verkäufer überhaupt nicht aufdringlich waren. Niemand zog uns am Ärmel, niemand versuchte, uns etwas einzureden. Wir konnten ganz entspannt schauen, stöbern und staunen.

Danach ging es für uns weiter zu einem ganz anderen Highlight oder besser gesagt: zu einem echten Instagram-Hotspot! Unser Ziel war Kvats Coffee, wo Kaffee mit individuell gemalten Porträts auf den Bechern serviert wird. Wie cool ist das bitte? Statt einfach nur einen Kaffee zu trinken, bekommt man sein eigenes kleines Kunstwerk dazu. Das mussten wir natürlich ausprobieren!

Doch bevor wir unseren Kaffee genießen konnten, stand uns noch eine kleine Herausforderung bevor: die Baustelle. Und zwar nicht irgendeine, sondern eine, die uns erst einmal sprachlos machte. In Tiflis wird die Agmashenebeli Avenue, eine wichtige Straße der Stadt, abschnittsweise umfassend saniert. Auf einer Länge von rund zwei Kilometern wurde gebaut und erneuert und wir spazierten plötzlich mitten hinein. Dass uns eine solche Baustellenlandschaft erwarten würde, hatten wir vorher nicht gewusst. Im ersten Moment waren wir deshalb einfach überwältigt von den Ausmaßen. Überall Bagger, LKWs, Bauarbeiter, aufgerissene Straßen und ohrenbetäubender Lärm.
Und wir? Mittendrin!
Wir spazierten ganz normal weiter, während neben uns gebaggert, geschremmt und gearbeitet wurde. Ein LKW fuhr vorbei, ein Bagger grub sich durch den Boden und irgendwo wurde gerade irgendetwas abgerissen. Wir mussten uns gegenseitig beinahe anschreien, um überhaupt ein Wort zu verstehen. Willkommen bei Bob der Baumeister – Tiflis-Edition!
Was uns aber wirklich verblüffte: Es gab gefühlt kaum Absperrungen, Sicherheitsabstände oder Schutzvorkehrungen, wie wir sie aus Österreich kennen. Teilweise wurden Gebäude abgerissen, während wir ganz selbstverständlich daran vorbeispazierten. Man hatte das Gefühl, dass hier einfach jeder seines Weges ging, während rundherum eine ganze Straße neu gebaut wurde. In Österreich wäre das für uns kaum vorstellbar. Dort würde man vermutlich schon drei Straßen vorher umgeleitet werden und sich erst einmal durch fünf Absperrungen kämpfen müssen. Hier dagegen spazierten wir gefühlt direkt durch das Baustellenmanagement.
Verrückt? Definitiv!
Ungewohnt? Absolut!
Und irgendwie auch faszinierend, weil wir so etwas noch nie erlebt hatten. Zwischen Baulärm, Staub und schwerem Gerät fanden wir schließlich unseren Weg zu Kvats Coffee. Und nach diesem kleinen Abenteuer schmeckte der Kaffee gleich doppelt so gut.
Vom Kaffeekunstwerk zum Fußgänger-Endgegner
Nach unserer wohlverdienten Kaffeepause machten wir uns wieder auf den Weg. Weiter ging es zu einer bunten Treppe und schließlich zu unserem nächsten Ziel: dem Giant Bicycle Monument, einem überdimensionalen Fahrraddenkmal, das definitiv ein Hingucker ist. Doch bevor wir dort ankamen, mussten wir uns einer weiteren Herausforderung stellen. Und nein, es war weder ein steiler Berg noch ein komplizierter Wanderweg. Es war – Überraschung! – eine Straße.
Wie zur Hölle sollten wir hier bitte auf die andere Seite kommen? Keine Zebrastreifen, keine Unterführung, keine erkennbare Möglichkeit, sicher hinüberzugelangen. Wir schauten uns ratlos an und versuchten, die georgische Logik hinter dieser Verkehrsplanung zu verstehen.
Leider ohne Erfolg.
Also marschierten wir weiter. Und weiter. Und noch weiter. Vielleicht würde ja irgendwann eine Möglichkeit auftauchen?
Spoiler: Tat sie nicht.
Irgendwann hatten wir genug vom ziellosen Herumspazieren und beschlossen, unser Glück an einer stark befahrenen, vierspurigen Straße zu versuchen. Eine halbe Stunde kostete uns diese ganze Aktion! Dreißig Minuten, in denen wir überlegten, beobachteten, warteten und uns fragten, ob wir irgendwann tatsächlich noch bei unserem Monument ankommen würden. Und selbst als wir es endlich auf die andere Seite geschafft hatten, waren wir uns nicht einmal sicher, ob wir die Straße wirklich so überquert hatten, wie man es sich wünschen würde. Langsam entwickelte sich Tiflis für uns zu einem ganz eigenen Hindernisparcours, nur leider ohne Wegweiser, Sicherheitsnetz oder eine freundliche Stimme, die uns erklärte, wo es langgeht.

Doch irgendwann erreichten wir tatsächlich das Giant Bicycle Monument und konnten uns endlich wieder den schönen Dingen widmen. Von dort aus entdeckten wir auch zwei der auffälligsten Hochhäuser, die uns in Tiflis ins Auge fielen. Nach all den historischen Gebäuden, Kirchen und traditionellen Häusern war das ein interessanter Kontrast zur moderneren Seite der Stadt.

Anschließend zog es uns in einen Supermarkt in einer Shoppingmall. Ein Supermarktbesuch im Ausland ist für uns eben nicht einfach nur Einkaufen, sondern ein kleines kulturelles Abenteuer zwischen Kühlregal und Keksabteilung.
Nach diesem ereignisreichen Tag merkten wir allerdings langsam, dass unsere Energiereserven ziemlich aufgebraucht waren. Kein Wunder, schließlich hatten wir schon unzählige Schritte hinter uns und gefühlt mehr Straßenprobleme gelöst als Sehenswürdigkeiten besucht. Deshalb beschlossen wir, den Tag gemütlich bei einem Abendessen ausklingen zu lassen. Unser Ziel: Pasanauri.
Und wenn wir schon in Georgien waren, dann sollte es natürlich auch georgisches Essen sein! Also bestellten wir die berühmten Khinkali, die georgischen Teigtaschen mit würziger Füllung und köstlichem Fleischsaft im Inneren, sowie ein Khachapuri, das traditionelle georgische Käsebrot. Die Khinkali überzeugten uns beide auf ganzer Linie. Beim Khachapuri waren wir hingegen etwas weniger begeistert. Es war gut, riss uns aber nicht unbedingt vom Hocker.
Leider hatten wir es mit der Bestellung wieder einmal ein bisschen zu gut gemeint. Unsere Augen waren größer als unsere Mägen, und so mussten wir tatsächlich etwas übrig lassen.
Mit einem kleinen schlechten Gewissen bezahlte ich schließlich die Rechnung. Und dann kam der Moment, der uns endgültig zeigte, wie günstig Georgien für uns sein konnte: 20 Euro für Getränke und drei Gerichte für zwei Personen! Bitte was? Für diesen Preis bekommt man in Österreich heutzutage teilweise gerade einmal ein Hauptgericht und hier hatten wir sogar Getränke dabei.
Nach diesem langen, aufregenden und ziemlich schrittintensiven ersten Tag in Tiflis war aber endgültig Schluss. Wir waren müde, unsere Füße hatten Feierabend beantragt und unser Bett rief lauter als jede Sehenswürdigkeit. Also ging es zurück ins Hotel.
Auf der Suche nach dem Wasserfall und plötzlich standen wir vor Mother of Georgia 🌿
Unser heutiges erstes Ziel: der berühmte Schriftzug von Tiflis. Ein schnelles Foto als Erinnerung durfte natürlich nicht fehlen, schließlich muss man ja beweisen können, dass man tatsächlich dort war!

Danach ging es weiter in den Botanischen Garten, wo wir vor allem eines sehen wollten: den Wasserfall. Klingt eigentlich ganz einfach, oder? Ein bisschen durch einen Garten spazieren, den Schildern folgen und schon steht man vor dem ersehnten Naturschauspiel.
Tja, ganz so einfach war es dann doch nicht.
Wir wollten natürlich nicht nur schnurstracks zum Wasserfall marschieren, sondern auch etwas mehr vom Garten sehen. Also spazierten wir. Und spazierten. Und spazierten noch ein bisschen weiter.
Die Wegweiser waren allerdings eher rar gesät und teilweise so hilfreich wie eine Speisekarte auf Georgisch, wenn man kein Wort Georgisch spricht. Also gingen wir einfach weiter, bogen hier ab, folgten dort einem Weg und landeten schließlich auf Pfaden, bei denen wir uns nicht ganz sicher waren, ob hier überhaupt noch regelmäßig jemand unterwegs war.

Langsam fragten wir uns, ob wir eigentlich noch im Botanischen Garten oder bereits auf einer Expedition durch den georgischen Dschungel waren. Und dann kam die Überraschung: Plötzlich standen wir vor der Mother of Georgia! Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Die monumentale Statue thront hoch über Tiflis und wirkt von vielen Stellen der Stadt aus, als wäre sie unglaublich weit entfernt. Und jetzt standen wir plötzlich direkt vor ihr. Unsere Reaktion? Erst einmal staunen und dann bei mir ein kleines Fragezeichen im Gesicht. Denn irgendwie hatte ich mir das Ganze anders vorgestellt.

Ich wollte natürlich ein schönes Foto von der gesamten Statue machen. Nur gab es dort keine Aussichtsplattform, von der aus man sie bequem in ihrer ganzen Größe fotografieren konnte. Wir standen direkt vor ihr, viel zu nahe, um sie vollständig aufs Bild zu bekommen. Egal, wie ich mein Handy hielt oder mich verrenkte...die Perspektive wollte einfach nicht passen. Für ein richtig schönes Gesamtbild hätte ich wohl eine Drohne gebraucht.
Von hinten und von der Seite gelangen uns immerhin ein paar Aufnahmen, aber so richtig zufrieden war ich damit nicht. Manchmal ist das eben der Unterschied zwischen einem Ort, den man sich vorstellt, und dem Ort, an dem man tatsächlich steht. Trotzdem war es beeindruckend, die Statue aus nächster Nähe zu sehen. Die Mother of Georgia mit einer Schale Wein in der einen Hand und einem Schwert in der anderen symbolisiert sie die georgische Gastfreundschaft gegenüber Freunden und die Bereitschaft, sich gegen Feinde zu verteidigen. Eine ziemlich klare Botschaft: Willkommen, wenn du es gut meinst – aber leg dich lieber nicht mit uns an!
Nach unserem ungeplanten Abstecher zur Mother of Georgia machten wir uns wieder auf den Weg zurück in den Botanischen Garten. Schließlich hatten wir unser eigentliches Ziel noch gar nicht erreicht. Also spazierten wir erneut durch die herbstliche Landschaft, vorbei an Bäumen, buntem Laub und verwunschen wirkenden Wegen. Und irgendwann war es endlich so weit: Wir entdeckten den Wasserfall!

Eine Sache gab es dann doch, die uns weniger begeisterte: die Toiletten. Nicht besonders sauber und mit einem Loch im Boden statt einer gewöhnlichen Toilette ausgestattet. Na dann...schade Marmelade!
Schwefelgeruch, süße Sünden und die nächste Runde Fußgänger-Chaos
Zurück in der Altstadt von Tiflis machten wir uns auf den Weg zu den berühmten Schwefelbädern. Und eines können wir gleich vorwegnehmen: Diese Gegend erkennt man nicht nur an ihrer besonderen Architektur, sondern auch an ihrem ganz eigenen Duft. Es roch nämlich ordentlich nach faulen Eiern!

Der Grund dafür ist das schwefelhaltige Thermalwasser, für das Tiflis seit Jahrhunderten bekannt ist. Doch trotz des gewöhnungsbedürftigen Geruchs fanden wir die Gegend richtig cool. Besonders faszinierend war, dass man über die gewölbten Dächer der Bäder spazieren kann, während sich unter einem Menschen im warmen Wasser entspannen und die wohltuende Wärme genießen.
Der Eingang zu den Bädern war für uns allerdings das eigentliche Highlight. Die orientalisch anmutenden Formen, die kunstvollen Fliesen und die Kuppeln wirkten wunderschön und waren etwas völlig Neues für unsere Augen. Und plötzlich meldete sich bei mir wieder die Reiselust: Usbekistan. Solche Gebäude stehen definitiv dort! Das Land gehört auf meine Bucketlist!

Von den Schwefelbädern ging es anschließend zu einem kleinen Chimney-Cake-Laden. Und jetzt wurde es süß! Wir gönnten uns einen Baumkuchen mit Apfelfüllung, Eis, Biscoffcreme und Keks Außen süß und knusprig, innen fruchtig, dazu cremiges Eis und diese unwiderstehliche Biscoffnote. Eine absolute Delikatesse vom ersten bis zum letzten Bissen!

Schließlich marschierten wir mit vollen Bauch dann über die Friedensbrücke in den Rike Park. Besonders auffällig ist ihr futuristisches Design, das fast ein bisschen an ein riesiges gläsernes Dach erinnert. Wir spazierten hinüber und erkundeten den Rike Park, von wo aus wir auch die Gondeln sehen konnten, die hinauf zur Mother of Georgia fahren.
Weiter ging es zur Metechi-Kirche, die malerisch auf einem Felsvorsprung thront. Die historische Kirche gehört zu den bekannten Wahrzeichen der Stadt und bietet einen schönen Blick auf den Fluss und die umliegende Altstadt.

Doch dort kam wieder unser persönlicher Endgegner ins Spiel: die Straßenüberquerung. Wie kamen wir hier bitte auf die andere Seite? Wir hatten doch mittlerweile wirklich genug Erfahrung gesammelt, sollte man meinen! Aber nein. Wieder standen wir da, schauten uns an und versuchten herauszufinden, wo sich der rettende Übergang versteckt hatte. Es kostete uns natürlich erneut Minuten und Nerven. Langsam hätten wir in Tiflis wirklich einen eigenen Reiseführer schreiben können: Die schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt – und wie man es schafft, überhaupt dorthin zu kommen. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht irgendwann doch eine Lösung gefunden hätten. Also schafften wir es auch diesmal auf die andere Seite und setzten unseren Weg fort.
Nach all den Eindrücken hatten wir schließlich Hunger und beschlossen, noch einmal eine Shoppingmall anzusteuern. Dort gönnten wir uns einen Burger und erlebten unser nächstes kleines Kulturschock-Highlight. Denn plötzlich fiel uns auf, dass wirklich jeder seinen Burger mit Handschuhen aß! Wir schauten uns um und waren zunächst überzeugt, dass es sich bei den Leuten um Mitarbeiter des Restaurants handeln musste. Warum sollten sonst alle Handschuhe tragen? Doch dann bemerkten wir: Nein, das waren tatsächlich ganz normale Gäste! Einfach Menschen, die ihren Burger mit Einweghandschuhen verspeisten. Kein Kleckern, keine klebrigen Hände und keine Servietten, die nach zwei Bissen ohnehin nichts mehr retten können. Oder vielleicht hatten wir einfach wieder einmal eine Besonderheit entdeckt, die für alle anderen völlig normal war. Jedenfalls saßen wir da, beobachteten das Geschehen und waren einmal mehr fasziniert davon, wie unterschiedlich die kleinen Alltagsgewohnheiten in anderen Ländern sein können. Und genau solche Momente lieben wir am Reisen: Man entdeckt nicht nur berühmte Sehenswürdigkeiten, sondern stolpert auch über die kleinen, kuriosen Dinge, die einem zu Hause wahrscheinlich nie auffallen würden. Mit vollem Bauch, müden Beinen und einem weiteren Tag voller Geschichten im Gepäck machten wir uns schließlich auf den Weg zurück.

Tag 3: Wir wollten doch nur Georgien entdecken
Der kommende Tag sollte ganz im Zeichen Georgiens stehen. Dafür hatten wir eine geführte Tour gebucht und waren voller Vorfreude. Wir waren bereit für Kultur, Natur und ganz viele neue Eindrücke.
Fröhlich machten wir uns auf den Weg zu unserem Treffpunkt, wo unser Bus bereits auf uns warten sollte. Eigentlich konnte also nichts mehr schiefgehen. Dachten wir zumindest. Denn natürlich begegneten wir schon auf dem Weg dorthin wieder unserem ganz persönlichen Endgegner in Tiflis: einer Straße, die wir überqueren mussten, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, wie das funktionieren sollte.
Wir konnten unseren Abholpunkt bereits sehen. Er war zum Greifen nah! Nur leider lag dazwischen eine Straße, die uns einmal mehr vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe stellte. Kein vernünftiger Übergang in Sicht, keine Unterführung, kein Zebrastreifen. Nur wir, die Autos und die große Frage: Wie zum Teufel kommen wir jetzt auf die andere Seite?
Langsam sammelten sich auch andere Touristen, die offenbar dasselbe Problem hatten. Gemeinsam standen wir da und starrten auf die Straße, als würden wir gerade versuchen, eine mathematische Gleichung ohne Taschenrechner zu lösen.
Sollen wir gehen? Sollen wir lieber warten? Kommt irgendwann noch eine Möglichkeit? Oder verpassen wir am Ende unseren Ausflug, weil wir es nicht über eine Straße schaffen?
Nach längerem Überlegen beschlossen wir schließlich gemeinsam mit anderen Touristen, das Wagnis einzugehen und die Straße zu überqueren. Schließlich mussten wir irgendwie zu unserem Bus kommen. Also tief durchatmen, Mut zusammennehmen und los!
Kaum hatten wir fast die andere Seite erreicht, kam uns ein Polizist entgegen, der den Verkehr für uns aufzuhalten schien.
Zumindest dachten wir das.
Vielleicht wollte er uns helfen? Vielleicht hatte er gesehen, wie schwierig die Situation für Fußgänger war und wollte uns freundlich darauf aufmerksam machen, dass wir es endlich geschafft hatten?
Ach, wie naiv wir doch waren. 😂
Der Polizist kam auf uns zu und sagte: „Come to me, please.“
Na gut. Wenn ein Polizist einen bittet, zu ihm zu kommen, dann macht man das wohl besser. Wir gingen also zu ihm.
Viel erklärte er zunächst nicht. Stattdessen kam direkt die nächste Ansage: „Passports, please.“
Ich schaute meine Freundin an und fragte sie leise: „Na, was soll denn das jetzt?“
Zum Glück hatten wir beide unsere Reisepässe dabei. Wir übergaben sie dem Polizisten und zack, waren unsere Dokumente auch schon weg. Denn er reichte sie direkt an weitere Polizisten in einem Auto weiter.
Moment mal. Was?
Wir hatten gerade noch versucht, rechtzeitig zu unserem Bus zu kommen und plötzlich standen wir ohne Reisepässe bei der Polizei. Der Tag hatte noch nicht einmal richtig begonnen, aber unser Puls war bereits auf erhöhter Betriebstemperatur.
Neben uns wurde inzwischen auch ein anderes Paar unruhig. Schließlich mussten sie ebenfalls zu ihrem Bus und wollten wissen, was hier eigentlich los war.
Und dann kam die Erklärung.
Der Polizist teilte uns mit, dass wir gerade eine Straftat begangen hätten. Wir hätten die Straße an einer Stelle überquert, an der dies verboten sei. In letzter Zeit habe es viele Unfälle gegeben, weshalb man hier besonders streng sei. Er müsse uns darauf aufmerksam machen, dass wir gegen das Gesetz verstoßen hätten und uns deshalb bestrafen.
50 georgische Lari. Innerhalb der nächsten 30 Tage zu bezahlen.
Bitte was?!
Wir wollten doch einfach nur auf die andere Straßenseite!
Der Polizist erklärte weiter, dass die Zahlung ganz unkompliziert sei. Wir könnten die Strafe bei der Polizei oder an entsprechenden Automaten bezahlen. Wir dürften diesen Fehler allerdings kein zweites Mal machen, denn bei einem weiteren Verstoß würde die Strafe höher ausfallen.
Tja. Regeln sind Regeln. Das verstanden wir schon. Dass man nicht einfach überall über die Straße laufen sollte, war uns durchaus bewusst. Nur hatten wir in diesem Moment schlichtweg keine Ahnung, wie wir sonst sicher zu unserem Treffpunkt kommen sollten.
Aber diskutieren wäre jetzt nicht die Lösung gewesen.
Meine Freundin verstand zunächst überhaupt nicht, was gerade passierte. Und auch mir war alles andere als wohl bei der Sache. Wir schauten uns an und fragten uns vermutlich beide dasselbe: Wir? Straftäterinnen? Wir können doch nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tun!
Und dann hielten wir plötzlich einen ungefähr 40 Zentimeter langen Strafzettel in der Hand.
Vierzig Zentimeter! Wenn man schon eine Strafe bekommt, dann offenbar wenigstens mit ordentlich Papierverbrauch.
Ob wir verstanden, was darauf stand? Negativ.
Denn der gesamte Strafzettel war auf Georgisch geschrieben in einer Schrift, die wir nicht lesen konnten. Georgien hat tatsächlich ein eigenes Alphabet, das sich deutlich von unserem lateinischen Schriftsystem unterscheidet. Und wir standen nun mit einem amtlichen Dokument da, das für uns ungefähr so verständlich war wie eine Bedienungsanleitung für ein Raumschiff.
In diesem Moment herrschte zwischen uns allerdings erst einmal absolute Stille.
Wir wussten nicht, was wir sagen sollten. Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Und gleichzeitig hatten wir Stress, weil unser Bus auf uns wartete und wir unseren Ausflug nicht verpassen wollten.
Was macht man in so einer Situation?
Richtig: Man versucht, möglichst normal zu wirken, obwohl im Kopf gerade ungefähr 127 verschiedene Gedanken gleichzeitig herumschwirren.
Wir nahmen unseren Strafzettel entgegen und machten uns schließlich auf den Weg zu unserem Bus. Äußerlich waren wir vielleicht schon wieder unterwegs, innerlich standen wir allerdings noch immer mitten auf dieser Straße und versuchten zu begreifen, was gerade passiert war.
Als wir endlich im Bus saßen, schauten wir uns an. Die anderen Fahrgäste waren vermutlich schon gedanklich bei den bevorstehenden Sehenswürdigkeiten, während wir noch unsere ganz persönliche Polizeikontrolle verarbeiteten.
Und dann sagte meine Begleitung den Satz, der diesen Morgen wohl am besten zusammenfasste: „Meli, wir haben eine Straftat begangen.“
Wir waren nach Georgien gekommen, um Kirchen, historische Städte und wunderschöne Landschaften zu entdecken. Und jetzt saßen wir in einem Bus mit einem Strafzettel in der Tasche, den wir nicht einmal lesen konnten.
Natürlich konnten wir die Situation nicht mehr rückgängig machen. Die Straße war überquert, die Strafe ausgesprochen und unsere Reisepässe hatten wir mittlerweile wieder zurück. Was hätten wir also tun sollen?
Augen zu, tief durchatmen und das Beste daraus machen.
Also fuhren wir los, hinein ins georgische Landesinnere...zumindest körperlich. Mit unseren Gedanken waren wir allerdings noch ganz woanders.
Denn eines war klar: Dieser Ausflug hatte gerade erst begonnen, und wir hatten bereits eine Geschichte erlebt, die uns vermutlich noch lange begleiten würde.
Andere sammeln im Urlaub Souvenirs. Wir sammelten Strafzettel. Willkommen in Georgien!
Von Straftäterinnen zu Kulturreisenden
Also fuhren wir los, hinein ins georgische Landesinnere. Zum Glück gab es einen ganzen Tag voller Sehenswürdigkeiten, Geschichte und wunderschöner Landschaften, der uns auf andere Gedanken bringen sollte.
Unser erster Halt war Mtskheta, eine der ältesten Städte Georgiens und ein ganz besonderer Ort für das Land. Die Stadt gilt als eines der wichtigsten religiösen Zentren Georgiens. Besonders beeindruckend ist die Swetizchoweli-Kathedrale, die mit ihrer mächtigen Architektur und ihrer jahrhundertealten Geschichte das Stadtbild prägt.

Weiter ging unsere Fahrt durch das Landesinnere. Und die Landschaft? Einfach herrlich! Wir sahen grüne Hügel, weite Ebenen und immer wieder kleine Szenen aus dem georgischen Alltag. Kühe standen gemütlich auf oder neben der Straße, Schafe zogen in Gruppen über die Landschaft und dazwischen begegneten uns sogar Eselreiter. Manchmal hatte man das Gefühl, die Zeit wäre hier ein bisschen stehen geblieben. Während wir durch die Gegend fuhren, schauten wir aus dem Fenster und konnten kaum genug bekommen. In Georgien schien jedenfalls nicht immer das Auto Vorrang zu haben, manchmal hatte die Kuh einfach beschlossen, dass jetzt ihre Straße war.

Unser nächstes Ziel war Uplisziche, eine der ältesten Siedlungen Georgiens und eine beeindruckende Höhlenstadt, deren Geschichte bis in die frühe Eisenzeit zurückreicht. Als wir dort ankamen, dachten wir zunächst, dass die Anlage eigentlich recht überschaubar wäre. Ein paar Höhlen, ein bisschen herumspazieren und schon hätten wir alles gesehen – so ungefähr lautete unsere Vorstellung. Tja, falsch gedacht! Denn Uplisziche entpuppte sich als eine weitläufige, in den Fels gehauene Stadt mit zahlreichen Höhlen, Tunneln, Hallen und Überresten alter Gebäude. Hier lebten einst Menschen, es wurde Handel betrieben und unterschiedliche religiöse Traditionen prägten den Ort. Je weiter wir durch die Anlage spazierten, desto deutlicher wurde uns, wie groß und bedeutend dieser Ort einmal gewesen sein muss.

Nach unserem Rundgang war es dann Zeit für eine Stärkung. Und was soll ich sagen? Wir blieben uns auch an diesem Tag treu: Wir hatten wieder einmal viel zu viel bestellt. ;)
Weiter ging es für uns nach Gori, einer Stadt, die vor allem als Geburtsort von Josef Stalin bekannt ist. Natürlich darf hier das berühmte Stalin-Museum nicht fehlen. Der imposante Museumsbau beschäftigt sich mit dem Leben des ehemaligen sowjetischen Diktators und zeigt zahlreiche historische Ausstellungsstücke. Zum Komplex gehören auch sein Geburtshaus und sein persönlicher Eisenbahnwaggon. Ein Ort, der einen durchaus nachdenklich stimmt, denn hinter all den historischen Erinnerungsstücken steht auch die dunkle Geschichte eines Regimes, das für unermessliches Leid verantwortlich war.

Wir machten auch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt und ließen die Eindrücke auf uns wirken, bevor es zu unserem letzten Halt des Tages ging: dem Dschwari-Kloster. Hoch oben auf einem Felsen gelegen, thront das Kloster über Mzcheta und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Landschaft.

Doch bevor wir wieder in Tiflis ankamen, mussten wir natürlich noch einmal zeigen, was zwei österreichische Touristinnen kulturell so draufhaben. Und womit unterhält man einen ganzen Bus nach einem Tag voller Geschichte, Klöster und antiker Höhlenstädte am besten? Richtig: mit Andreas Gabalier!
Während draußen die georgische Landschaft an uns vorbeizog, brachten wir ein Stück österreichische Heimatmusik ins Rollen. Ob unsere Mitreisenden begeistert waren oder sich insgeheim wünschten, sie hätten Ohrstöpsel eingepackt, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Aber wir hatten unseren Spaß! Und nach diesem ereignisreichen Tag war ein bisschen Blödelei genau das Richtige. Schließlich muss man die schönen und die verrückten Momente einer Reise gleichermaßen feiern und wenn dafür einmal der Volks-Rock’n’Roller herhalten muss, dann ist das eben so. 😉
Unser Kampf mit der georgischen Bürokratie
Nach diesem aufregenden Tag nahmen wir das Leben zunächst noch mit Humor. Schließlich hatten wir nicht nur wunderschöne Orte entdeckt, sondern auch unseren ganz persönlichen Ausflug ins georgische Strafrecht hinter uns. Doch das Lachen sollte uns noch vergehen – denn zurück im Hotelzimmer begann der eigentliche Nervenkampf: Wie zur Hölle bezahlt man einen georgischen Strafzettel, wenn man weder die Schrift lesen noch die Zahlungswege verstehen kann?
Schon auf dem Weg zurück zum Hotel hatten wir versucht, die Strafe an verschiedenen Automaten zu bezahlen. Wir hielten diese zunächst für gewöhnliche Bankomaten, doch schnell merkten wir, dass es sich teilweise um ganz andere Zahlungsautomaten handelte, über die man offenbar auch Rechnungen, behördliche Gebühren oder Lotterien begleichen konnte. Ein bisschen wie unsere Selbstbedienungsautomaten, nur eben mit deutlich mehr Funktionen und für uns gefühlt sieben Fragezeichen auf dem Bildschirm. Alles war auf Georgisch, und wir hatten keine Ahnung, welchen Knopf wir drücken sollten. Unsere Motivation, dort einfach unsere Bankdaten einzugeben, hielt sich deshalb verständlicherweise in Grenzen. Schließlich wollten wir zwar unsere Strafe bezahlen, aber nicht gleich unsere gesamten Ersparnisse als freiwillige Spende hinterlassen. 😉
Also ging es zurück ins Hotelzimmer, wo wir uns mit vereinten Kräften und der Hilfe von ChatGPT an die digitale Strafzettelrettung machten. Wir suchten nach Möglichkeiten, unsere Strafe online zu finden und zu bezahlen. Und tatsächlich: Wir landeten auf drei unterschiedlichen Seiten, auf denen man den Strafzettel suchen konnte. Der kleine Haken an der Sache? Natürlich war alles auf Georgisch. Kein deutsches Menü, oft keine englische Erklärung, kein freundliches „Hier klicken, um Ihre Strafe zu bezahlen“.
Trotzdem kämpften wir uns durch. Seite für Seite, Eingabe für Eingabe und immer mit der Hoffnung, dass es diesmal endlich funktionieren würde. Doch die ersten beiden Zahlungsversuche scheiterten. Immer wieder erschien eine Fehlermeldung. Zahlung fehlgeschlagen. Noch einmal versuchen. Wieder fehlgeschlagen.
Langsam wurde aus unserem gemütlichen Hotelabend ein kleiner Nervenzusammenbruch. Wir wollten doch einfach nur diese 50 Lari bezahlen und wieder ein normales, straffreies Leben führen! War das wirklich zu viel verlangt?
Auf der dritten Seite wagten wir schließlich einen weiteren Versuch. Wieder Georgisch, wieder Formulare, wieder dieses Gefühl, dass wir eigentlich keine Ahnung hatten, was wir gerade taten. Ich gab meine Daten ein, klickte mich durch die einzelnen Schritte und hoffte inständig, dass diesmal alles klappen würde.
Und dann – tatsächlich – die Zahlung war erfolgreich!
Ich hätte in diesem Moment vermutlich das ganze Hotel umarmen können. Endlich! Ich hatte es geschafft! Die Bestätigung war da, die Strafe bezahlt und zumindest mein Teil dieses kleinen georgischen Kriminalfalls abgeschlossen.
Bei meiner Reisebegleitung sah die Sache allerdings noch ganz anders aus. Bei ihr wollte die Zahlung einfach nicht funktionieren. Weder mit ihrer eigenen Bankkarte noch mit meiner. Wir probierten es erneut, kontrollierten die Eingaben und versuchten, irgendwo einen Fehler zu finden. Doch nichts half.
Zum Glück hatte ich zwei Bankkarten dabei. Und genau diese zweite Karte sollte sich nun als Retterin in der Not erweisen. Ich nahm mein Handy wieder zur Hand, startete den nächsten Versuch und hoffte, dass wir nicht noch eine vierte Website suchen mussten.
Und dann klappte es tatsächlich!
Was danach passierte, hätte man vermutlich filmen müssen: Meine Begleitung sprangen kurz auf, umarmte mich und feierte die erfolgreiche Zahlungsabwicklung, als hätten wir gerade einen internationalen Kriminalfall gelöst. 😉
Andere feiern einen gewonnenen Wettbewerb oder ein bestandenes Examen. Wir feierten zwei bezahlte Strafzettel.
Endlich waren wir wieder straffrei. Keine offenen Strafen mehr, keine georgischen Behörden, die uns noch etwas wollten, und vor allem keine weiteren Versuche, uns durch fremdsprachige Internetseiten zu kämpfen. Wir hatten uns quasi freigekauft.
Wir waren nach Georgien gekommen, um Kultur zu erleben, die Landschaft zu genießen und neue Erinnerungen zu sammeln. Dass wir dabei auch noch einen Crashkurs in georgischer Bürokratie absolvieren würden, stand definitiv nicht auf unserer Reiseplanung.
Und irgendwann kam uns sogar der Gedanke: Na ja, irgendjemand muss dieses Land und diese Stadt schließlich auch finanziell unterstützen. Wenn unser Beitrag nun ausgerechnet in Form von zwei Strafzetteln erfolgte, dann sollte es wohl so sein. 😂
Fazit des Abends: Wir waren um 100 Lari ärmer, um unzählige Nerven leichter und um eine Geschichte reicher, die uns vermutlich noch lange zum Lachen bringen wird.
Der letzte Tag: Atemberaubende Ausblicke, Weineis und ein Abschied auf der Überholspur
Unser letzter Tag in Georgien sollte etwas gemütlicher werden. Also bestellten wir uns ein Taxi und machten uns auf den Weg zu einem ganz besonderen Highlight: die Chroniken von Georgien. Und was sollen wir sagen? WOW! 😍
Schon bei unserer Ankunft verschlug es uns beinahe den Atem. Die gewaltigen Säulen ragten majestätisch in den Himmel, die monumentale Anlage wirkte unglaublich beeindruckend und die Aussicht auf den Tbilisi-See war einfach wunderschön. Dazu strahlender Sonnenschein und ein tiefblauer Himmel…besser hätte das Wetter für unseren letzten Tag kaum sein können. Wir standen dort, schauten über die Landschaft und waren einfach nur überwältigt. Es war einer dieser Momente, in denen man kurz innehält und sich bewusst wird, wie schön es ist, die Welt entdecken zu dürfen. Wie wertvoll es ist, unterwegs zu sein, neue Orte kennenzulernen und solche Augenblicke mit einem lieben Menschen teilen zu können.

Natürlich wurden unzählige Fotos geschossen. Schließlich wollten wir diesen Anblick unbedingt festhalten! Wir fotografierten aus allen möglichen Perspektiven und versuchten, die gewaltigen Dimensionen des Monuments einzufangen. Doch so sehr wir uns auch bemühten: Keine Kamera kann wirklich wiedergeben, wie beeindruckend dieser Ort in Wirklichkeit ist. Die Größe, die Tiefe, die Weite und dieses Gefühl, selbst ganz klein vor etwas so Gewaltigem zu stehen – das muss man einfach selbst erleben. Für mich war es einer dieser Momente, die einen daran erinnern, wie wichtig es ist, das Leben zu genießen und sich immer wieder auf neue Abenteuer einzulassen. Ein wunderschöner Abschluss für unsere Zeit in Georgien!
Nach diesem emotionalen Höhepunkt ging es für uns weiter zum Mtatsminda Park, einem Freizeitpark hoch über Tiflis. Dort erwartete uns allerdings ein etwas anderer Anblick. Während wir bei unserem vorherigen Stopp noch von monumentaler Architektur und beeindruckender Natur begeistert waren, fühlten wir uns hier stellenweise in eine andere Zeit zurückversetzt. Manche Fahrgeschäfte wirkten ziemlich in die Jahre gekommen: bei uns hätte man vermutlich gesagt, dass sie aus einer Zeit stammen, in der die eigenen Eltern noch jung waren. 😂 Ein bisschen Nostalgie, ein bisschen Charme und an manchen Stellen die Frage, ob die Achterbahn wohl schon seit 80 Jahren ihre Runden dreht.

Doch wir hatten noch eine ganz besondere Mission für diesen Tag: Wir wollten unbedingt Weineis probieren! Davon hatten wir gehört und als wir es tatsächlich im Park entdeckten, war die Freude groß. Das mussten wir natürlich testen! Voller Vorfreude bestellten wir uns eine Portion und waren gespannt, wie diese georgische Spezialität wohl schmecken würde.
Tja. Was sollen wir sagen?
Man kann nicht immer gewinnen. 😂
Unser Weineis war leider ein absoluter Reinfall. Es schmeckte scheußlich oder, wenn wir ehrlich sind, eigentlich nach so gut wie gar nichts. Wir probierten, schauten uns an und hofften, dass der nächste Löffel vielleicht doch noch die erhoffte Geschmacksexplosion bringen würde. Aber nein. Es wurde nicht besser. Am Ende landete das Eis tatsächlich im Müll. So viel zu unserem kulinarischen Abenteuer!
Anschließend fuhren wir mit der Gondel wieder hinunter in die Stadt. Die Fahrt bot uns noch einmal einen schönen Blick über Tiflis und war eine entspannte Möglichkeit, den letzten Nachmittag ausklingen zu lassen. Zurück in der Stadt marschierten wir tatsächlich noch ein letztes Mal durch unsere mittlerweile bestens bekannte Baustellenlandschaft. Nach all den Tagen fühlten wir uns zwischen Baggern, LKWs und Bauarbeitern schon fast wie Stammgäste.

Natürlich durfte auch ein letztes gemeinsames Essen nicht fehlen. Und weil wir das mit dem Weineis nicht so stehen lassen wollten, gönnten wir uns noch eine Weineis-Softeis Edition und die war das, wie man sich es vorstellt: Himmlisch gut! :)
Manchmal braucht es eben zwei Anläufe um die richtige Wahl zu treffen!

Danach machten wir uns auf den Weg zurück ins Hotel, diesmal etwas früher als an den vergangenen Abenden. Denn unser Rückflug sollte bereits um 05:00 Uhr morgens starten. Und wer schon einmal versucht hat, vor einem solchen Flug noch ausreichend Schlaf zu bekommen, weiß: Das klingt in der Theorie wesentlich besser, als es in der Praxis funktioniert.
Wir versuchten also, noch ein paar Stunden zu schlafen. Betonung auf versuchten. Denn wenn man weiß, dass man mitten in der Nacht aufstehen muss, um zum Flughafen zu fahren, schläft es sich irgendwie nur halb so gut. Man dreht sich von einer Seite auf die andere, schaut auf die Uhr und rechnet aus, wie viele Minuten Schlaf theoretisch noch möglich wären. Ein erholsamer Schönheitsschlaf sieht definitiv anders aus.
Um drei Uhr morgens stand schließlich unser Taxi vor dem Hotel. Noch halb im Traum, mit Gepäck und müden Augen, machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Diesmal lief zum Glück alles problemlos. Wir kamen ohne Schwierigkeiten durch die Sicherheitskontrolle und sogar durch die Polizeikontrolle, ohne dass wir erneut mit dem georgischen Strafrecht in Berührung kamen. Ein kleines Erfolgserlebnis zum Abschied! Nach unserem Abenteuer mit den 50 Lari waren wir schließlich für jede problemlose Kontrolle dankbar. 😇
Unser Flug nach München hob zwar etwas verspätet ab, doch damit war das Abenteuer noch nicht ganz vorbei. In München wartete nämlich unser Anschlussflug nach Graz. Und plötzlich verwandelte sich unser gemütlicher Heimreisetag in einen kleinen Flughafen-Sprint. Mit müden Beinen, wenig Schlaf und dem festen Willen, diesen Flieger nicht zu verpassen, eilten wir durch den Flughafen. Wer braucht schon ein Laufband im Fitnessstudio, wenn man auch mit Handgepäck und Zeitdruck durch München sprinten kann?

Doch wir schafften es! Wir erreichten unseren Anschlussflug nach Graz und kamen schließlich auch noch rechtzeitig zu unserem Zug nach Hause. Nach aufregenden Tagen, unzähligen Eindrücken und viel zu wenig Schlaf war unsere Heimreise tatsächlich geglückt.
Ende gut, alles gut! ❤️
Fazit
Vier Tage voller Abenteuer, beeindruckender Sehenswürdigkeiten, kulinarischer Entdeckungen und jeder Menge Chaos liegen hinter uns. Zwischen wunderschönen Landschaften, wackeligen Brücken, Baustellen und unserem unfreiwilligen Ausflug ins georgische Strafrecht war wirklich alles dabei. 😂
Doch genau das macht Reisen aus: Nicht alles läuft nach Plan, aber gemeinsam entstehen Erinnerungen, die bleiben. Georgien hat uns überrascht, begeistert und manchmal ordentlich Nerven gekostet. Dafür sind wir mit unzähligen Geschichten, vielen Lachern und einem Koffer voller Erinnerungen nach Hause gekommen.
50 Lari ärmer, aber um viele Erfahrungen reicher. Danke, Georgien, für vier unvergessliche Tage und danke an meine Reisebegleitung, mit der selbst das größte Chaos zum Abenteuer wird.



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