Von unterirdischen Kapellen bis belebten Straßen: Ein Wochenende voller polnischer Eindrücke
- Levi Michi
- 1. Apr.
- 7 Min. Lesezeit
Polen an einem verlängerten Wochenende – das klingt nach Kultur, Kulinarik und kleinen Abenteuern. Drei Tage zwischen pulsierenden Städten, beeindruckenden Sehenswürdigkeiten und versteckten Highlights laden dazu ein, sich treiben zu lassen und Neues zu entdecken.
Ein Trip voller Kuriositäten, außergewöhnlicher Eindrücke und unvergleichlicher Momente: Von den belebten Straßen Kattowitz über grüne Parklandschaften bis zu den geheimnisvollen Tiefen der Salzbergwerke von Krakau. Ein Wochenende, das Staunen, Lachen und jede Menge Lebensfreude verspricht.
Auf Schienen und in die Lüfte: Der Start ins Wochenende
Meine Reise beginnt zum ersten Mal mit der Koralmbahn zum Flughafen Wien. Mit einem guten Buch in der Hand vergeht die Zeit wie im Flug – Wortspiel absichtlich inklusive. Am Flughafen treffe ich meine Reisebuddys, wir schlendern durch die Hallen, gönnen uns einen Kaffee und ich nutze die Gelegenheit, meine Beine noch einmal auszuschütteln.
Der Start ins Abenteuer im Fliegerwird dann von einer ziemlich ungewöhnlichen Durchsage begleitet: Die Stewardess erklärt ernst, dass der Flug nach Krakau geht und bittet uns, uns zu vergewissern, dass wir im richtigen Flieger sitzen. Ein Moment, in dem man kurz überlegt: „Wie? In welchem Flieger soll ich den sonst sitzen?“ – kurios, aber alles korrekt, und schon steigen wir in die Lüfte Richtung Polen.
Unterwegs Richtung Kattowitz
Nach einem kurzen Flug von unter einer Stunde landen wir bereits in Polen und schnappen uns unser Mietauto Richtung Kattowitz. Eigentlich hatten wir geplant, unterwegs einen Halt beim KZ Auschwitz einzulegen. Doch als wir online die Tickets checken, trifft uns ein kleiner Schock: Bis Mitte April sind die kostenlosen Eintritte bereits vergriffen, und auch Führungen für dieses Wochenende sind komplett ausgebucht.
Wir sind sichtlich enttäuscht und traurig, dass wir die Gedenkstätte nicht besuchen können, und gleichzeitig ein wenig irritiert und grantig auf uns selbst – wie konnten wir nur nicht früher nach den Tickets schauen? Irgendwie wirkt es fast wie ein stilles Zeichen: Vielleicht soll dieser Besuch dieses Mal nicht stattfinden. Immerhin liegt dort eine düstere Geschichte, und ein mulmiges Gefühl begleitet uns schon beim Gedanken daran. So wird aus unserem geplanten Halt ein längerer Aufenthalt in Kattowitz, der uns die Gelegenheit gibt, die Stadt und ihre ganz eigenen Überraschungen intensiver zu entdecken.
Skurrile Betten und erste Eindrücke
Bei unserem Hotel in Kattowitz angekommen, stand zunächst ein Blick ins Zimmer an. In unserem Dreibettzimmer fanden wir ein Doppelbett und ein Einzelbett vor. Auf den ersten Blick unspektakulär – doch beim genaueren Hinsehen offenbarte sich das wahre Kuriosum: Die beiden Matratzen des Doppelbetts waren völlig unterschiedlich hoch. Auf den ersten Blick harmlos – doch dann der Schock: Die beiden Matratzen des Doppelbetts hatten völlig unterschiedliche Höhen. Kurz gesagt, es war ein echtes „Berg-und-Tal“-Erlebnis: die eine Matratze lag wie ein kleiner Gipfel, die andere eher wie ein gemütliches Tal. Wer sich hier hinlegt, erlebt gleich eine Mini-Achterbahnfahrt im Schlaf! Wir konnten uns ein Lachen nicht verkneifen und dachten: „Da gehören wohl wirklich neue Matratzen hin.“
Nach dieser kleinen Anekdote machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt von Kattowitz. Und siehe da: Die Stadt hat mehr zu bieten, als wir erwartet hatten. Auf den ersten Blick wirkt sie modern, fast nüchtern, doch wer genauer hinschaut, entdeckt historische Fassaden, bunte Jugendstilhäuser und kleine, verwinkelte Gassen, die zum Flanieren einladen. Besonders der Plac Sejmu Śląskiego ist ein zentraler Punkt, an dem das Leben pulsiert: Cafés, Straßencafés und kleine Restaurants laden zum Verweilen ein, während Straßenkünstler die Passanten unterhalten.

Überall stößt man auf versteckte Schätze: kleine Skulpturen wie die Beboki, charmante Brunnen oder ungewöhnliche Kunstinstallationen, die man beim ersten Mal leicht übersieht – wir haben uns prompt auf eine kleine „Beboki-Safari“ begeben und immer neue Figuren entdeckt.

Auch das Kattowitzer Opernhaus und die Kirche der Heiligen Familie sind beeindruckende Zeugen der Architektur und Kultur der Stadt.
Ein echtes Highlight ist zudem die futuristische Eventhall, die von weitem aussieht, als wäre ein UFO auf dem Boden gelandet. Sie wirkt fast ein bisschen fehl am Platz zwischen den historischen Fassaden, macht die Stadt aber umso spannender – und wir konnten nicht anders, als fasziniert die Kamera zu zücken.
Die Innenstadt lebt zudem von ihrem urbanen Flair: Straßenmusik, bunte Märkte und die Mischung aus Alt und Neu machen jeden Schritt spannend. Besonders am Hauptplatz, wo an diesem Wochenende ein Ostermarkt stattfand, fühlt man sich mitten ins Herz der Stadt versetzt: fröhliche Menschen, bunte Stände, handgemachtes Kunsthandwerk – hier lässt es sich leicht ein paar Stunden verlieren.

Und während wir schlenderten, entdeckten wir kleine Plätze und Hinterhöfe, die plötzlich das Gefühl vermittelten, dass Kattowitz trotz seiner industriellen Vergangenheit auch voller Charme, Leben und Überraschungen steckt – ein echtes Kleinod für neugierige Entdecker.
Zum Abendessen landeten wir in einem richtig guten Restaurant, bevor wir in einer Bowlingarena noch einen Aperol Spritz schlürften und dabei die wunderbare Aussicht über die Stadt genossen.
Ein Tag im Grünen: Park Śląski in Kattowitz
Am nächsten Morgen machen wir uns auf zu einem ausgedehnten Spaziergang durch den Park Śląski, den großen Stadtpark von Kattowitz – ein echtes All-in-one-Erlebnis! Hier findet man so ziemlich alles: das imposante Stadion Śląski, einen Zoo, weitläufige Grünflächen, kleine Seen und sogar Liftanlagen.

Zu unserem Glück findet an diesem Tag gerade ein Laufevent statt, und wir konnten das Stadion sogar von innen bestaunen. Es ist beeindruckend, durch die Tribünen zu schlendern, die Stadionluft zu schnuppern und zu sehen, wo sonst Sportfans jubeln und trainieren. Der Park selbst lädt zu gemütlichen Spaziergängen ein, bietet viele versteckte Wege und kleine Überraschungen, sodass wir locker ein paar Stunden zwischen Natur, Sport und kleinen Abenteuern verbringen.
Abtauchen ins Salzbergwerk bei Krakau
Nach unserem Tag in Kattowitz machen wir uns auf den Weg Richtung Krakau, genauer gesagt zum berühmten Salzbergwerk Wieliczka – einem der ältesten und bekanntesten Salzbergwerke der Welt. Schon beim Hinabsteigen wird klar: Hier wartet ein echtes Abenteuer auf uns.

Über 400 Stufen geht es in die Tiefe, vorbei an glitzernden Salzsäulen, kunstvoll gemeißelten Reliefs und beeindruckenden unterirdischen Hallen, die teilweise so groß sind wie Kirchen. Besonders beeindruckend ist die größte unterirdische Kapelle, komplett aus Salz gefertigt – von den Wänden über den Altar bis zu den Kronleuchtern. Hier spürt man fast die Jahrhunderte der Bergbaugeschichte, die in diesen Gängen verborgen liegt.

Überall gibt es kleine, liebevoll gestaltete Details zu entdecken: Figuren, kleine Skulpturen und winzige Kapellen, die die Bergleute einst als Orte der Andacht und Erholung genutzt haben. Man merkt, dass dieses Salzbergwerk nicht nur ein Industriegelände, sondern ein echtes Unterirdisches Museum voller Geschichte und Überraschungen ist.
Der Aufstieg zurück nach oben ist ein Abenteuer für sich: Es gibt vier Fahrstuhlkabinen, jede für neun Personen – und wir alle werden im engsten Raum hineingepackt. Wer Platzangst hat, sollte sich vielleicht vorher noch etwas beruhigen – denn hier wird es definitiv eng. Dann geht es rasant nach oben, während man sich gegenseitig lacht, die Arme einzieht und irgendwie versucht, nicht zu klemmen. Ein sehr skurriles, witziges Erlebnis, das uns vermutlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Natürlich durfte ein kleiner Souvenirmagnet nicht fehlen – als Erinnerung an diese unterirdische Mini-Weltreise.
Ankunft in Krakau – Essen, Altstadt und pure Lebensfreude
Nach unserem Abenteuer im Salzbergwerk ging es weiter nach Krakau. Schon hungrig machten wir uns nach dem Check-in in unser Apartment auf die Suche nach einem Restaurant. Am Anfang war das gar nicht so einfach – die Straßen waren voll, die Gassen lebendig, und irgendwie schien jeder in Krakau gleichzeitig essen gehen zu wollen.
Schlussendlich landeten wir bei einem Inder, und das war eine ausgezeichnete Entscheidung: Aromatische Gewürze, perfekt abgeschmeckt, einfach köstlich – wir hätten noch stundenlang dort sitzen können.
Gut gestärkt machten wir uns anschließend noch auf einen Abendspaziergang durch die Altstadt – und wow, was für ein Leben in dieser Stadt! Jung und Alt mischten sich auf den Straßen, die Cafés und Restaurants waren bis zum letzten Platz besetzt, Musiker und Künstler sorgten für Stimmung. Überall wurde gelacht, getanzt und gesungen – ein Gefühl von Freude, Energie und urbanem Puls, das uns sofort mitgerissen hat. Krakau zeigte sich hier von seiner lebendigsten Seite und machte klar: Diese Stadt liebt das Leben, und das spürt man mit jedem Schritt.

Morgenlauf an der Weichsel und Krakau entdecken
Am nächsten Morgen starteten wir den Tag mit einer Laufrunde entlang der Weichsel – einfach traumhaft! Das Wasser glitzerte im Morgenlicht, die Brücken zogen an uns vorbei, und ich merkte, wie gut mir diese Bewegung tat. Laufen, dann ein gemütlicher Kaffee, duschen und anschließend zu Mittag lunchen – besser kann ein Tag kaum beginnen.
Natürlich wartete danach die Stadtbesichtigung von Krakau.

Wir schlenderten durch die engen Gassen der Altstadt, bestaunten den imposanten Wawel-Hügel mit Schloss und Kathedrale, und ließen uns vom bunten Treiben auf dem Hauptmarkt (Rynek Główny) verzaubern. Die Marienkirche mit ihrem beeindruckenden Altar durfte dabei natürlich nicht fehlen, in absolutes Highlight: der Trompeter der Marienkirche, der jede volle Stunde sein Signal von der Turmspitze bläst.

Ein besonderes Highlight war die kleine Smok-Tour – ein Spaziergang, die uns zu versteckten Ecken der Stadt brachte, die wir sonst wohl nie entdeckt hätten. Die kleinen „Smoks“ (Drachen) überall in der Stadt waren einfach entzückend und ein lustiges Detail, das Krakau so besonders macht.

Zwischen historischen Gebäuden, gemütlichen Cafés und lebendigem Straßenleben fühlten wir uns völlig in den Rhythmus der Stadt eingebunden. Krakau zeigte sich von seiner charmanten, lebendigen und zugleich historischen Seite – ein absoluter Genuss für alle Sinne.

Am späteren Nachmittag zog es uns noch in das Judenviertel Kazimierz, wo enge Gassen, kleine Cafés und historische Synagogen die Atmosphäre vergangener Zeiten spürbar machen. Wir spazierten über den Platz mit den Stühlen, ein Mahnmal, das zum Nachdenken einlädt, und machten schließlich einen Abstecher in Oskar Schindlers Emailfabrik.
Da wir auf unserer Reise nicht nach Auschwitz fahren konnten, war dies für uns ein besonderer Halt. Die Ausstellung dort war unglaublich informativ, beeindruckend und hinterließ ein nachdenkliches Gefühl in uns – Geschichte, die man auf diese Weise tief im Inneren spürt.

Zum Abschluss des Tages meldete sich natürlich auch der Hunger zurück. Ein leckeres polnisches Abendessen rundete diesen eindrucksvollen, emotionalen Tag perfekt ab – ein gelungener Abschluss voller Geschichte, Nachdenklichkeit und kulinarischem Genuss mitten in der alten Hauptstadt Polens.
Letzter Tag: Shopping und Abschied
Der letzte Tag begann mit einer ausgiebigen Shoppingtour in der Galleria. So viele Shops, so viele Menschen – und überall kleine Versuchungen, von Souvenirs über Mode bis hin zu lokalen Spezialitäten. Wir schlenderten von Laden zu Laden, probierten hier und bestaunten dort, und irgendwie verging die Zeit wie im Flug.

Schließlich war es Zeit, Abschied zu nehmen: Mit vollen Taschen und vielen neuen Eindrücken stiegen wir wieder in den Flieger nach Hause. Drei Tage voller Entdeckungen, kulinarischer Highlights, urbaner Lebensfreude und kleiner Abenteuer gingen zu Ende – und wir nahmen nicht nur Souvenirs, sondern vor allem unzählige Erinnerungen mit nach Hause. Krakau und Kattowitz hatten uns charmant überrascht, verzaubert und vor allem eines geschenkt: das Gefühl, dass jede Reise kleine Wunder bereithält, die man oft erst auf den zweiten Blick entdeckt.



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